Geschichte

Über die Entstehung der Freiwilligen Feuerwehr-Stockheim

Aus der Festschrift zum 50-jährgen Jubiläum (1994) mit Ergänzungen von Frank Wörner (bis 2001) und Florian Holz (bis 2015)

In den Nachbargemeinden Erbach, Michelstadt, Steinbach waren schon lange Freiwillige Feuerwehren gegründet worden, als man in Stockheim immer noch eine Pflichtfeuerwehr, unter dem Kommandanten Georg Brunner und Heinrich Lang hatte. 

Zur Freude vieler Stockheimer Männer, wie ein Gründungsmitglied sich heute noch gerne erinnert, wurde am 2. Juli des Jahres 1934 auf Initiative des damaligen Bürgermeisters Wilhelm Haußner, Kreisfeuerwehrführer Eberhard Müller, Erbach und August Grenz im Gasthaus „Zum Anker“ die „Freiwillige Feuerwehr Stockheim“ gegründet. Die Wehr entwickelte sich rasch aufwärts und zählte bald 50 aktive Mitglieder.  

Die Geräte waren zunächst in einem Schuppen untergebracht. Bürgermeister Wilhelm Haußner bemühte sich bei den zuständigen Behörden um die nötigen Zuschüsse; so konnte im Jahr 1935 das erste Feuerwehrhaus, gegenüber der Schule, eingeweiht werden.

Im Jahr 1936 wurde eine Saug- und Druckpumpe angeschafft, der 1939 die erste Motorspritze folgte. Der ehemalige Chefwagen der Tuchfabrik Arzt wurde 1941 zum ersten Mannschaftswagen umgebaut. Dank der guten Ausbildung durch den damaligen Kommandanten August Grenz, zählte die Stockheimer Feuerwehr bald zu den besten Wehren des Kreises Erbach. 

Beim Großbrand bei der Firma Rexroth-Lynn AG 1937, hatte die Stockheimer Blauröcke ihre erste größere Bewährungsprobe bestanden. Während des Krieges war unsere Wehr vorbildlich bei der Brandbekämpfung in Darmstadt ( Entfernung ca. 50 Km ) beteiligt.    

1945 war, wie überall, so auch bei unserer Feuerwehr alles zusammengebrochen. Es wurde mühselig wieder alles aufgebaut. Auch die Währungsreform im Juni 1948 machte vor der Feuerwehr keinen Halt. 

Der neue Vorstand, unter Vorsitz von Heinrich Volk und Kommandant Ludwig Schmidt trat am 24. Oktober 1948 an die aktiven und passiven Mitglieder mit der Bitte um eine Geldspende heran und es war ein voller Erfolg: Die kleinste Spende betrug DM 0,50,- und die größte DM 10,-. Ein Gesamtbetrag von DM 215,50 und das so kurze Zeit nach der Währungsreform, dies sollte jeden mal aufhorchen lassen, wie verbunden die Bevölkerung in Notzeiten mit unserer Feuerwehr war.   

In der Folgezeit waren Leonhard Löb und Ludwig Schmidt bis zu dessen Tod im Jahre 1966 die Kommandanten. Am 30. April 1966 wurde Karl Müller zum 1. Kommandanten bzw. Ortsbrandmeister gewählt. Nach der Gebietsreform behielt Karl Müller das Amt des Wehrführers bis 1985. Für seine Verdienste um die FF Stockheim wurde er zum Ehrenwehrführer ernannt. 

Als Nachfolger von Arnold Damm wurde 1954 Ludwig Sauer Rechner des Vereins nach dessen allzu frühem Tod im Jahr 1977, übernahm Johann Heim das Amt des Rechners, nachdem er lange Jahre Schriftführer war. 1955 übernahm Wilhelm Löb das Amt der 1. Vorsitzenden, nach dessen Verzicht wurde am 18. Oktober 1958 Friedel Schweikert gewählt, der das Amt bis 1994 ausübte.

1952 beteiligte sich eine Gruppe beim Wettkampf anlässlich des Feuerwehrfestes in Würzberg mit Erfolg.   

1954 wurde ein gebrauchter LKW als Mannschaftswagen umgebaut. 

1956 wurde der Fanfarenzug der Freiwilligen Feuerwehr Stockheim gegründet. In eigener Regie wurden Trommeln selbst angefertigt, man war emsig bei der Sache. Unter dem Gründer Reinhold Orth entwickelte sich bald ein ausgezeichneter Fanfarenzug, der auf allen Festen sehr begehrt war. Die Wehr und der Vorstand, ja ganz Stockheim, waren von den Leistungen hell begeistert. Leider gesellten sich zu der Harmonie im Laufe der Zeit auch Mißstimmung zwischen Wehr und Fanfarenzug. Satzungen sollten vereinbart werden, die mit den Satzungen der Freiwilligen Feuerwehr nicht in Einklang zu bringen waren –  sie führten schließlich zum Bruch am 19.03.1963. Der Fanfarenzug machte sich selbständig. Zunächst ging die Entwicklung weiter nach oben. In der Folgezeit kamen jedoch auch hier Unstimmigkeiten auf, die zu der Auflösung des Fanfarenzuges im Jahre 1969 führten.   

1959 feierten die Stockheimer Blauröcke und mit Ihr die ganze Gemeinde ihr 25jähriges Bestehen. Erstmals war in Stockheim ein großes Festzelt aufgestellt, das Dorf festlich geschmückt, ein großer Festzug mit Feuerwehrkapellen, Spielmanns- und Fanfarenzügen organisiert. Außer den örtlichen Vereinen beteiligten sich über 700 Feuerwehrmänner. Aus dem Gewinn des Festes und Zuschuß der Brandversicherungskammer und Spenden, konnte Ende 1959 eine neue Motorspritze angeschafft werden ( Diese war bis Anfang der 90er Jahren im Dienst ). 

Nachdem der alte Mannschaftswagen immer reparaturanfälliger wurde, befasste sich der Vorstand mit der Anschaffung und Finanzierung eines neuen Fahrzeugs. Am 18. September 1965 konnte die Gemeinde der Wehr ein neues Löschgruppenfahrzeug LF 8 (Typ Opel Blitz), Kostenpunkt DM 27.000,- übergeben. Außer Spenden, die die Wehr sammelte, kamen aus der Vereinskasse DM 3.000,- dazu. Die Brandversicherungskammer gab hierzu einen Zuschuß von DM 8.000,- , der Landkreis Erbach DM 2.700,- Am Übergabetag war unser Fahrzeug das 14. genormte Löschgruppenfahrzeug im Kreis Erbach. Weiter wurde ein Schlauchanhänger, mit einem Fassungsvermögen von 360 m Schlauchmaterial angeschafft (dieser Anhänger ist übrigens heute noch im Dienst bei der Stadtteilfeuerwehr Vielbrunn), eine Kellerpumpe und ein Schwerschaumlöscher kamen zu den Gerätschaften hinzu. Bei allen Anschaffungen war die Vereinskasse tonangebend. 

Inzwischen war unsere Wehr bei den Bränden bei der Firma Dr. Masing & Co. KG, Fa. Unibon, Fa. Reinke und Rexroth eingesetzt. Weitere Einsätze waren Kaminbrände, Technische Hilfeleistungen und insbesondere Hilfe bei Hochwasser.

Am 2. November 1975 wurde die Jugendfeuerwehr Stockheim gegründet. Ein Versuch im Jahre 1974 war mangels Interesse gescheitert. Erster Leiter der Jugendgruppe war Walter Hammann, gefolgt von Joachim Laut, Horst Schweitzer, Wolfgang Orth, Heinz Müller, Frank Wörner, Peter Schmitt und Norman Pfalzgraf. 

Am 29. Mai 1977 fand an der Turnhalle im Beisein von Bürgermeister Erwin Hasenzahl und Landrat Gustav Hofmann der erste Spatenstich zum neuen Feuerwehrhaus statt. Anläßlich der Eröffnung des Bienenmarktes übergab am 13. Mai 1978 Bürgermeister Hasenzahl im Beisein des Landrates Hofmann, Magistrat und Stadtverordneten das neue Gerätehaus mit Schulungsraum in die Obhut der Stockheimer Wehr.   

1980 wurde aus Mitteln der Vereinskasse ein Mannschaftswagen (Typ Bedford Blitz) für DM 6.000,- angeschafft. 

1984 feierten die Stockheimer Brandschützer ihr 50jähriges Bestehen mit einem viertägigen Fest auf dem Turnplatz neben dem Feuerwehrgerätehaus. 

1985 wurde die Jugendfeuerwehr Stockheim 10 Jahre alt, und feierte mit einem Spiel- und Spaßnachmittag (Olympiade) mit befreundeten Jugendfeuerwehren ihr Bestehen. Der Wehrführer Karl Müller wurde aus Altersgründen von seinem bisherigen Stellvertreter Walter Hammann abgelöst. Neuer stellvertretender Wehrführer wurde Ernst-Ludwig Krall.   

1988 entschied man sich einen neuen Mannschaftstransportwagen zu kaufen. Die Entscheidung fiel damals auf einen Neuwagen (Ford Transit), der komplett durch die Vereinskasse bezahlt wurde. Auch der Innenausbau und die Montage der Warnsignalanlage wurde komplett durch die Feuerwehr Stockheim gefertigt. 1993 erfolgte eine Ersatzbeschaffung für das knapp 30 Jahre alte LF8 (Löschgruppenfahrzeug) durch ein TSF (Tragkraftspritzenfahrzeug). Das alte Fahrzeug wurde bei einer Feuerwehr in den neuen Bundesländern in Dienst gestellt! In der Wehrführung gab es folgenden Wechsel: Wehrführer Walter Hammann übergab das Amt seinem bisherigen Stellvertreter Ernst-Ludwig Krall. Das Amt des stellvertretenden Wehrführers übernahm Frank Wörner.   

1994 legte der langjährige 1. Vorsitzende Friedel Schweikert überraschend sein Amt nieder. Als neuer Vorsitzender wurde Walter Hammann gewählt; 2. Vorsitzender wurde Albert Reubold. Zum 60jährigen Bestehen der FF Stockheim fand ein Kommersabend statt. 

1995 zählen nur noch 7 aktive Feuerwehrkameraden die Einsatzabteilung. Dieser kritische Zustand wurde von den Verantwortlichen und den Mandatsträgern bemängelt. Dies führte auch zu der Überlegungen die Feuerwehr Stockheim aufzulösen. Nach langen Debatten mit allen Beteiligten entschied man sich die FF Stockheim auf jeden Fall aufrecht zu erhalten. So wurde auch ein Wechsel in der Feuerwehrführung vollzogen: Wehrführer Ernst-Ludwig Krall (55) tauschte das Amt mit seinem (nur 21-jährigen) Stellvertreter Frank Wörner. Der längst überfällige Generationswechsel fand statt. 

1997 wurde der Stellvertretende Wehrführer Ernst-Ludwig Krall in die Ehren- und Altersabteilung übernommen. Sein Nachfolger wurde Udo Hamburger.

2000 war die Stärke auf 17 Kameraden in der Einsatzabteilung angestiegen. 

2001: Nachdem sechs Kameraden ihre Ausbildung zum Atemschutzgeräteträger absolviert hatten, erhielt die FF Stockheim die ersten zwei Preßluftatmer.

2002 wurde die erste Frau in die Einsatzabteilung der Feuerwehr Stockheim aufgenommen.

Zu Beginn des neuen Jahrtausends ging die Feuerwehr „online“ und installierte unter www.feuerwehr-stockheim.de eine offizielle Internetseite. 

Rund 40 Jahre nach seiner Erbauung waren die Räumlichkeiten des Gerätehauses zu eng geworden, sodass im April 2004 begonnen wurde eine Werkstatt, einen Umkleideraum und ein Duschbad anzubauen. Dies geschah zum weit überwiegenden Teil in Eigenleistung der aktiven Kameraden. Durch die neuen Räumlichkeiten wurde es erstmals möglich, die für die Atemschutzgeräteträger notwendige, umfangreiche persönliche Schutzausrüstung adäquat zu verstauen und nach Einsätzen oder Übungen direkt im Feuerwehrhaus zu duschen. 

Zu Jahresbeginn 2005 wurde Walter Hammann als 1. Vorsitzender verabschiedet und Markus Rinagl übernahm dieses Amt.

2006 wurde von einer Partei in der Michelstädter Stadtverordnetenversammlung beantragt, die Feuerwehren Michelstadt, Steinbach und Stockheim auf Grund ihrer räumlichen Nähe zur Kostenreduzierung zusammenzulegen. Nachdem die Empörung innerhalb der Feuerwehren groß war, wurde intensive Aufklärungsarbeit bzgl. des Hilfeleistungssystems im Stadtbereich betrieben. Letztlich wurde der Antrag von den übrigen politischen Vertretern der Stadt eindeutig abgelehnt. Spätestens in 2012 zeigte sich, dass dieses flächendeckende System notwendig ist, als in Stockheim zahlreiche vollgelaufene Wohnungen und Keller zu verzeichnen waren und die Feuerwehr an einem Tag zwölf Einsätze zu absolvieren hatte. 

Hauptsächlich die Ausrüstung mit Atemschutz, die 2007 durch zwei weitere Geräte komplettiert worden war, waren auch umfangreiche Investitionen des Vereins in Schutzausrüstzung angefallen, die sich im Laufe der Jahre auf mehrere tausend Euro summiert hatten. Daneben hatte der Verein massiv in Funkmeldeempfänger investiert, sodass jedem aktiven Feuerwehrmitglied ein solcher Melder zur Verfügung gestellt werden konnte. Eine Sirene ist daher in Stockheim kaum noch zu hören. Hinzu kamen 21.721,55 Euro für die Anschaffung eines Mannschaftstransportfahrzeugs (MTF). Hierbei handelte es sich um einen gebrauchten Polizeieinsatzwagen (VW LT), der zum Feuerwehrfahrzeug umgebaut wurde.  

2008 absolvierten die 21 aktiven Mitglider der Einsatzabteilung 16 Lehrgänge auf Kreis- und Landesebene, was einen Höchststand in der ohnehin intensiven Aus- und Fortbildungsarbeit darstellte. 

Zum 75. Geburtstag der Feuerwehr Stockheim fand 2009 ein großes Fest und eine Gemeinschaftsübung der Michelstädter Feuerwehren an der Stockheimer Mühle statt.

2010 war auch die Feuerwehr Stockheim gefordert, als ein „Feuerteufel“ in Michelstadt und Erbach sein Unwesen trieb und eine Serie von Brandsiftungen, vor allem in Schuppen, Scheunen und Nebengebäuden verübte. 

2011 erweiterte die Feuerwehr ihre Ausrüstung um einen Mehrzweckanhänger. In diesem Jahr schied nach 17 Jahre erfolgreicher Arbeit Frank Wörner als Wehrführer der Feuerwehr Stockheim aus. In seiner Amtszeit war die Personalstärke von sieben auf über 20 Kameradinnen und Kameraden gestiegen, die Ausrüstung wurde massiv ergänzt und erweitert und die Aus- und Fortbildung stark intensiviert. Sein Nachfolger im Amt des Wehrführers wurde Florian Holz.

Der Schulungsraum, die Küche und die Toiletten des Gerätehauses wurden 2012/2013 in Eigenleistung renoviert. Im ehemaligen Foyer entstand ein separater Umkleide- und Geräteraum für die Jugendfeuerwehr.

2015 war auch die Feuerwehr Stockheim bei Aufbau und Betrieb einer Notunterkunft für Flüchtlinge auf dem ehemaligen Gelände der Fa. Bien-Zenker gefordert. In dieser Unterkunft warteten zeitweise mehrere hundert Personen auf ihre Zuweisung zu einer Erstaufnahmestelle des Landes Hessen für Flüchtlinge.